Es ist also ein Jahr her, dass ein Mensch aus mir herauskam. Ich bin nicht mehr dieselbe Person wie damals. Wie auch? Alles hat sich verändert, es gab nicht einen Tag, an dem ich hätte Pause machen können. Es ist unaufhörlich, diese Verantwortung, dieses Bedenkenmüssen, Wachsamsein. Kleine Pausen werden hart erkämpft, oft nicht ohne schlechtes Gewissen. Ich liebe mein Kind, über alles, das ist klar. Stolz erfüllt mich und kostbare Liebe durchflutet mich, wenn ich ihn sehe, er macht auch Freude, es ist schön ihn aufwachsen zu sehen. Ich muss lächeln, wenn ich an die vielen Sorgen denke, die ich mir vielleicht nicht machen müsste, doch ich tue es, kann meinen Kopf nicht abschalten, zerbreche mir den Kopf, ob ich etwas besser machen könnte, ob alles für ihn ideal ist, ob ich wirklich eine gute Mutter bin. Ob ich genug da bin, nicht zu sehr in Gedanken, wie es meine Art ist, sondern präsent, präsent für und bei ihm. Unaufhörlich. Abends die leise Freude in mir, wenn ich weiß, dass er gleich einschläft und ich, zwar müde, ein paar Stunden für mich habe. Wenige Stunden selbstbestimmt sein. Meist zu erschöpft um wirklich kreativ zu sein oder meinem Körper etwas gutes zu tun. Und sie vergehen immer zu schnell, immer der Blick auf die Uhr, geh nur nicht zu spät ins Bett, um 7 Uhr wird er wach sein, da musst du wieder liefern. Ich tue es gern, aber nicht immer und ich freue mich auf Zeiten die selbstbestimmter sein werden. An all das konnte ich nicht denken, als ich mir damals in einem anderen Leben so sehr ein Kind wünschte. Jetzt lebe ich meinen Traum, doch der Alltag ist rau, wie vergeht der Tag, oft ganz allein mit dem Kind. Vor allem als es noch zu klein war, um auf Spielplätze zu gehen. Spazieren gehen. Spazieren gehen. Solang bis ich die Wege nicht mehr sehen konnte. Wieder zu Hause ankommen, auf die Uhr schauen, sehen, dass noch Zeit ist bevor du ins Bett musst. Lange hat mich eine leichte Verzweiflung begleitet, am Ende fehlendes Selbstbewusstsein. Das ist heute zum Glück anders, wenn es auch Momente des Zweifelns gibt, die kurze Unruhe, was mache ich jetzt, ich bin allein, ich muss diesem Kind doch so viel bieten und fühle mich nicht stark genug dafür. Doch es wird besser und dafür bin ich dir dankbar, dass du mich an mich glauben lässt, weil es garnicht anders geht. Du hast mich zu einem Menschen geformt, der in der Realität passiert, ich konnte das immer nur in meinem Kopf. Und ich liebe dich, ich liebe dich wirklich. Und doch bist du nicht alles, ich habe mein ganz eigenes Leben, das voran gehen soll, in dem ich mich verwirklichen will, in dem ich vor großen Fragen stehe. Ein Jahr als Mama, es war viel. Du warst ein Wurm, jetzt bist du schon ein Mensch. Das hätte ich mir niemals vorstellen können. Und auch nicht das, was es mit mir macht.