So lang wurde uns eingeredet, dass das Glück der Welt von dem einen Mann abhängt, die Suche nach eben diesen wird zur essentiellen Lebensaufgabe. Und jetzt bröckelt all das, wir lernen kollektiv uns selbst die Liebe zu schenken, die wir uns so sehr wünschen. Damit machen wir uns nicht nur unabhängig sondern auch endlich glücklich. Denn kein Mann vermag uns das zu geben, was einfach nur durch uns selbst erlebbar ist. Und das zu lernen ist so ein krasses Erlebnis, so ein erstaunlicher Weg für mich. Diese ersten Momente des Mich-Selbst-in-den-Arm-Nehmens, mich zum Trost streicheln, sie sind wie pures Gold, eine neue Welt, die sich aber so so schön anfühlt und dabei ein echtes Nachhausekommen ist. Wie ein Kind erlebe ich etwas zum ersten Mal, lerne diese neue Welt kennen. Diese sagenumwobene Selbstliebe wird wahr, zeigt sich in kleinen Gesten mir selbst gegenüber, wie kleine Frühlingsblüher, die spärlich den kargen Winterboden zieren. Für mich ist es vor allem Mitgefühl für mich selbst, was diese Selbstliebe ausmacht. Ich bringe Verständnis für mich auf, so wie es immer für andere tat, nur jetzt für mich auch. In der Hoffnung damit ein weiterer Schmetterlingsschlag zu sein, der das Patriarchat zum erliegen bringt, der mich nicht mehr stumm hinnehmen lässt, dass ich als Mutter eines kleines Kindes keine Karriere als Künstlerin machen kann, der mich frei sein lässt, fern von strukturellen Freiheit hin zu echter gelebter Gerechtigkeit. Ich bin unendlich dankbar dies nun langsam fühlen zu dürfen und wünsche mir, dass immer mehr Frauen die Chance haben, die eigene Liebe zu sich selbst als oberste Priorität zu sehen.
Anmerkung: Mit dem Begriff Frau möchte ich alle FLINTA-Menschen einbeziehen.