Schwarze Löcher

In unseren Herzen sind schwarze Löcher. Sie entstehen, wenn uns in unserer Kindheit Leid zugefügt wird, mit dem wir nicht umgehen können. Oft über Jahre und dann sind die schwarzen Löcher noch größer, noch tiefer, noch unendlicher. Dann sind wir erwachsen und leben mit diesen Löchern. Die meisten merken sie gar nicht. Es lebt sich schon damit. Die Gewöhnung lässt sie unbemerkt vor sich hin brodeln und blubbern, saugen und ziehen. Sie kosten viel Kraft. Aber vor allem kosten sie die wahre Liebe, die wahre Verbindung zu anderen. Denn was passiert, wenn sie sich unbemerkt in unsere Beziehungen schleichen, ist das Verlangen dieses Loch vom Gegenüber füllen zu lassen. Gib mir das, was ich nicht kenne, was ich mir selbst nicht geben kann, gib es mir, verdammt nochmal gib es mir. Die Löchern ziehen und saugen unermüdlich, unerfüllbar, denn was sie zu schwarzen Löchern macht, ist dass sie unendlich tief sind und dadurch unendlich saugen und ziehen. Bis der oder die andere merkt, sie kann nicht mehr, sie ist ganz leer und traurig und all die geleistete Arbeit, all die Liebe ist futsch, einfach weg, das Loch ließ sich nicht füllen. Es ist noch immer da, sogar noch aktivierter, weil so viel hineinfloss und jetzt nichts mehr kommt, die Sucht der leichten Erfüllung nicht bedient wird. Und dann plötzlich wird es fühlbar, der Ruf des Schmerzes, wenn man genau hinhört, hört man daraus den Wunsch nach Heilung, nach Beachtung, nach Zuwendung. Aber nicht von der anderen Person, die kann doch gar nichts dafür, kann den Schmerz nur spiegeln, aber nicht heilen. Das wird die eigene Aufgabe sein. Dann tun wir uns weh, reißen uns die Wunden auf, streiten, verzweifeln. Aber wenn wir nicht aufgeben und uns die Wunden anschauen, dann liegen sie am Rand des schwarzen Loches, es blutet und es ist hässlich. Aber es ist offen und wir schauen hinein, reinigen die Wunde, holen den Dreck heraus und lassen die Wunde neu, in Sicherheit und wohl gepflegt heilen und was passiert noch? Das schwarze Loch wird kleiner. Und wenn ich es dann noch schaffe in tiefem Mitgefühl mit mir selbst den goldenen Honig der Selbstzuwendung, der Selbstachtung, des sich selbst Annehmens in das schwarze Loch fließen zu lassen statt es von anderen füllen zu wollen, setzt sich dieser an die inneren Wände und lässt das Loch schrumpfen. Es kann Jahre dauern, aber das macht nichts. Ich weiß um mein schwarzes Loch und habe Mitgefühl und kann es Schritt für Schritt zuwachsen lassen, aber vor allem bin ich ganz ganz vorsichtig, wie viel Liebe von andren da rein fließt, weil ich niemanden aussaugen möchte. Natürlich heilen wir auch zusammen, aber bewusst und umsichtig. So holen wir uns da gemeinsam raus, jede*r für sich, aber niemals allein. Wir können nichts für unsere Geschichten, aber es liegt an uns, diese nicht für immer zum allumwandelnden Zentrum zu lassen. Für die Freiheit, die dahinter liegt, bin ich bereit diesen Weg zu gehen, das Vergangene zu überleben und endlich endlich bereit für die Zukunft zu sein, die da so golden vor uns liegt.

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